Berufsorientierung – Lebensplanung – Kompetenzentwicklung
(BO-LP-KE)
Laufzeit: August 2008 bis Juli 2014
Schulen: Allgemeine Förderschule Güstrow (Leitung)
Allgemeine Förderschule Bützow
Allgemeine Förderschule Teterow
Kooperative Gesamtschule Laage
Wissenschaftliche Begleitung: Herr HD Dr. habil. B. Heilmann
Universität Rostock
Philosophische Fakultät
Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation
Allgemeine und berufliche Bildung stehen sich als gleichrangige Partner im Bildungsprozess gegenüber. Mit dem Schulgesetz unseres Bundeslandes vom 15. Mai 1996 wurden die rechtlichen Grundlagen zur arbeitsweltbezogenen Bildung und Erziehung der Heranwachsenden geschaffen. Dort ist im § 4 ausgewiesen:
„Die Schule schafft die Voraussetzungen für eine der Eignung und Leistung der Schüler entsprechende Berufsausbildung und
Berufsausübung. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Arbeits- und Berufswelt wird insbesondere durch Praktika sowie den
Lernbereich Arbeit- Wirtschaft – Technik gefördert.“
Bei der Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schule sollen das Land, kommunale Gebietskörperschaften und Freie Träger mit Lehrern, Schülern, Erziehungsberechtigten und außerschulischen Verantwortlichen der Berufsausbildung nach Maßgabe des Gesetzes zusammenwirken.
Dieser Prozess der Vorbereitung auf die Berufsausbildung und der künftigen Lebensbewältigung der Jugendlichen stellt heute die erste Stufe der Erwerbsbiografie dar. Die Erwerbsbiografien gestalten sich künftig verstärkt fraktioniert, d.h. es wechseln Zeiten der Erwerbstätigkeit mit Zeiten ohne Erwerbstätigkeit einander ab. Schule muss sich dieser Situation stellen, was bedeutet, dass die Jugendlichen nicht nur auf das Erlernen eines Berufes sondern auch auf die Ausübung kurzfristiger Jobbertätigkeiten sowie auf eine erfolgreiche Alltagsbewältigung vorbereitet werden sollten. Mit Hilfe des Schulversuches soll dem erschwerten Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt dieser Jugendlichen begegnet werden.
Die Schule muss daher ihren Beitrag leisten, damit sich die Chancen dieser Jugendlichen im Prozess der Berufsorientierung in den oberen Klassen verbessern. Im Zentrum stehen dabei u.a. folgende Fragen:
- Wie kann es uns gelingen, die Chancen dieser Jugendlichen zu erhöhen?
- Wie können wir sie dazu bringen, an sich und ihre Zukunft zu glauben und das, was in ihnen steckt, optimal fördern?
Im Zentrum des Schulversuches stehen:
- die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem eigenen Lebensweg und die Entwicklung der Eigenverantwortung
für den eigenen Lebensweg und
- die Befähigung der Schüler, handlungsrelevante Orientierungen für die Zeit der Berufsorientierung und Lebensbewältigung abzuleiten.
Diese Zielstellungen werden durch folgende Schwerpunkte konkretisiert:
- Befähigung bzw. Verbesserung der Jugendlichen zur Fremd- und Selbsteinschätzung
- Entwicklung des Selbstwertgefühls in verschiedenen Bereichen wie:
Leistungsbereich: Beruf, Arbeit
Beziehungsbereich: Partnerschaft, Familie, Freunde
Körper: Schönheit, Wohlbefinden, Kraft
Besitz: materielle Werte, Eigentum, Vermögen
Werte: immaterielle Werte, positive menschliche Eigenschaften
- Auseinandersetzung mit dem neuen Fachkonzept der Agentur für Arbeit unter dem Schwerpunkt der Vermittlung der Anforderungen der Berufsausbildung und von berufsvorbereitenden Maßnahmen (u. a. Profiling)
- Entwicklung von Handlungs- und Sozialkompetenzen der Jugendlichen
- Aufbau lokaler Netzwerke mit sozialen Einrichtungen, Bildungsträgern, Handwerksbetrieben …
Beim Schulversuch geht es also um die Befähigung der Jugendlichen mit Beeinträchtigungen im Lernen und/oder Verhalten, die an Regionalschulen und Allgemeinen Förderschulen lernen, mittels Fremd- und Selbstreflexion Handlungsorientierungen für die Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Lebensaufgaben für sich bestimmen zu können.
Die Allgemeine Förderschule Güstrow, als den Schulversuch leitende Schule, hat von 1999-2007 am Bundesmodellprojekt „Schule-Wirtschaft/Arbeitsleben“ teilgenommen und dabei Erfahrungen mit neuen Ansätzen der Berufsorientierung gewonnen. Das betrifft:
- den Einsatz des Berufswahlpasses (u.a. Umgestaltung der oberen Klassen durch fächerübergreifende Berufsorientierung, Erarbeitung von didaktisch-methodischen Materialien zur Vorbereitung auf die Erwerbstätigkeit) und
- Module zum biografischen Lernen für Klasen 8 und 9, die für Allgemeine Förderschulen und Regionalschulen in Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet und erprobt wurden.
Im Schulversuches sollen die im Rahmen der Bundesmodellprojekte des Programms „Schule – Wirtschaft/Arbeitsleben“ erarbeiteten inhaltlichen Schwerpunkte, Maßnahmen und Instrumente zur Entwicklung individueller Bildungs- und Berufsbiografien für die Jahrgangsstufen 8 und 9 auf andere Schulen transferiert, modifiziert und langfristig implementiert werden. Die damit verbundene Umstrukturierung der Sekundarstufe I soll sich nachhaltig auf die Unterrichtsgestaltung auswirken und sich im Schulprogramm widerspiegeln. Da es sich bei der Entwicklung von Kompetenzen um einen langwierigen Prozess handelt, gilt es zu prüfen, in wie weit einzelne Bestandteile der Module in angepasster Form bereits in Klasse 5 und 6 einsetzbar sind. Denn die Herausbildung von personalen Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit … ist nicht nur der Auftrag der Pädagogen der Sekundarstufe I.
Ziele:
1. Umstrukturierung der Oberstufe – Veränderung der schulinternen Curricula unter dem Schwerpunkt: Berufsorientierung, Lebensplanung und Kompetenzentwicklung
2. Erprobung und Anpassung der Module zum biografischen Lernen der Klassen 8 und 9
3. Erarbeitung von Modulen zum biografischen Lernen für Klasse 7 (Erprobung, Verallgemeinerung)
4. Übertragung bzw. Einbindung einzelner Modulbestandteile in die Klassen 5 und 6
5. Integration und Konkretisierung des Berufswahlpasses
6. Erarbeitung eines regionalen Katalogs über Praktikums- und Ausbildungsbetriebe